»Wir brauchen unsere Freunde, damit sie unsere Träume teilen.«

Denise Caron, Präsidentin der Irmandade

Freundesbrief

Corona in Brasilien, 28. Mai 2020

Liebe Feunde und Förderer,

hier schreibt Schw. Gabriele Kumm in unregelmäßigen Abständen zur aktuellen Lage in Brasilien zu Zeiten von Corona.

Donnerstag, 28. Mai 2020

Hier ist es nur schlimm. Die 400.000 mit Covid-19 Infizierte sind überschritten. Gestern gab es gut 1.000 Tote innerhalb von 24 Stunden. Die Menschen sterben oft, bevor sie ins Krankenhaus kommen.

Am 12. Juni wird das Hotel mit einem festlichen Abendessen und Livemusik eröffnet. Das ist hier der Tag der Liebenden. Etwa zehn Appartements stehen zur Verfügung. Sie sind schon reserviert. Damit verbindet sich ganz viel Mühe: Handtücher und Zudecken müssen eingeschweißt werden, Besteck ebenso. Im Restaurant ist Mundschutz und lange Handschuhe für die Mitarbeitenden Pflicht. Nur 50%  darf im Hotel belegt werden. Ein Anfang …

 

 

 

 

 

Corona in Brasilien, 21. Mai 2020

Liebe Feunde und Förderer,

hier schreibt Schw. Gabriele Kumm in unregelmäßigen Abständen zur aktuellen Lage in Brasilien zu Zeiten von Corona.

Mittwoch, 21. Mai 2020

Einige Infos zum Bundesstaat Parana: Im Vergleich zu Gesamtbrasilien gibt es hier “nur” 3.000 Fälle von Covid19, davon sind 141 verstorben. Sao Paulo hat jetzt einige Feiertage und der Gouverneur von Parana hat ein Einreiseverbot für die “Paulistanos” verhängt. In Curitiba selbst haben wir 34 Tote. Der Bürgermeister ist sehr vernünftig. Alles in allem zeigt sich hier ein anderes Bild als z.B. in Manaus oder anderorts.

Was uns mehr Sorge bereitet, sind die vielen Dengeefieber-Opfer: bis jetzt sind es in Parana 101.000.

 

 

 

 

Corona in Brasilien, 13. Mai 2020

Liebe Feunde und Förderer,

hier schreibt Schw. Gabriele Kumm in unregelmäßigen Abständen zur aktuellen Lage in Brasilien zu Zeiten von Corona.

Mittwoch, 12. Mai 2020

Heute zwei Stunden Videokonferenz mit allen Verantwortlichen. Die Lage wird eng. Den April haben wir noch bewältigt und alle Gehälter zahlen können. Jetzt müssen wir über weitere Kündigungen nachdenken. Da wir gute Monate im Hotel hatten – vor allem im Dezember 2019 – gingen noch Zahlungen ein, die damals über Kreditkarten geleistet wurden. Das wird im nächsten Monat nicht mehr sein. Die Zahlungen in der Schule gehen zurück.

Was gut gelaufen ist: Der pastorale Dienst hat alle Angestellten angerufen und sie nach ihrem Ergehen befragt und das hat ganz gute Reaktionen ausgelöst.

Schwester Ester ist jeden Tag zum Hotel gefahren, um mit den verbliebenen Mitarbeitern einen kurzen Moment mit Wort und Gebet zu gestalten. Auch hier kamen sehr positiver Reaktion. Sie hat sich mit viel Mut reingekniet! Hier sollen Anfang Juni die ersten Gäste kommen.

 

 

 

 

Mai 2020, Schwester Gabriele Kumm

                                                                                                                                                                                     Curitiba, den 4. Mai 2020

 

Liebe Freunde und Förderer,

wenn man 40 Jahre alt ist, ob als Mensch oder Institution, lässt man schon mal die Gedanken in die Vergangenheit wandern. Ein wichtiger Lebensabschnitt ist bereits Vergangenheit. Unsere jüngeren Mitglieder fragen mich oft und ich bin für die Auskünfte über vergangene Zeiten zuständig. Ich mache das gern. Es gibt eine Doktorarbeit und Jahrzehnte von Berichtsheften, aber alles in deutscher Sprache. Nun versuche ich, eine Geschichte in portugiesischer Sprache zu erzählen.
Schon ganz am Anfang, von 1934 bis 1938, wurden 12 deutsche Diakonissen nach Brasilien entsandt. Das spricht für die große Zahl der Diakonissen im DGD und für die ganz andere Art, in jener Zeit mit solchen Herausforderungen umzugehen. Wer wusste schon, was die Schwestern in Brasilien erwartete? Sie haben die Kriegsjahre ohne Verbindung zur Heimat und die Einschränkungen deutschen Bewohnern gegenüber nach der Kriegserklärung Brasiliens an Deutschland tapfer bewältigt. Sie fanden Wege, um ihren Dienst an den Menschen weiter zu tun. 

Das macht mich nachdenklich hinsichtlich unserer Gegenwart, die ja bekanntlich von Covid19 bestimmt ist und totale Aufmerksamkeit erfordert. Leider ist in Brasilien der Umgang mit diesem Problem gekennzeichnet von verwirrenden, sich widersprechenden Bekanntmachungen. Wir haben die magische Zahl von 100.000 Infizierten überschritten und mehr als 7.000 Tote. Unser Staat Paraná ist mit 1.500 Infizierten und 93 Toten relativ gut dran.

Unsere Hauptsorge gilt den Kindern der Tagesstätte und der neuen Schule, nachdem die Schulen erst im August den Unterricht wiederaufnehmen sollen. Sie sind auf der Straße. Die Wohnungen oder Behausungen sind viel zu klein für alle Familienmitglieder. Die regelmäßige Ernährung ist auch unterbrochen. Wo wir um Nöte wissen, vermitteln wir Hilfe. Aber es ist und bleibt ein Kummer.
Unser Gästebetrieb hat noch keinerlei Aussicht auf Wiedereröffnung, aber wir bemühen uns, um vorbereitet zu sein, wenn es losgeht. Dann kann nur bestehen, wer mit weniger Kosten mehr leistet und bessere Qualität liefert. Uns geht es vor allem darum, die finanzielle Grundlage für die etwa 400 Kinder mit Freiplätzen wieder zu erreichen.

Mit Ihnen als unseren Freunden haben wir Mut, uns diesen mit nichts zu vergleichenden Herausforderungen zu stellen. Allerdings ist es eine bange Zuversicht. Das Virus ist überall.

Gott segne Sie mit Gesundheit.

Ihre Gabriele Kumm  

 

 

 

 

Corona in Brasilien, 1. Mai 2020

Liebe Feunde und Förderer,

hier schreibt Schw. Gabriele Kumm in unregelmäßigen Abständen zur aktuellen Lage in Brasilien zu Zeiten von Corona.

Freitag, 1. Mai: Jetzt sind schon 70 Kinder in der Schule abgemeldet.

 

 

 

 

Corona in Brasilien, 26. April 2020

Liebe Feunde und Förderer,

hier schreibt Schw. Gabriele Kumm in unregelmäßigen Abständen zur aktuellen Lage in Brasilien zu Zeiten von Corona.

Donnerstag, 26. April: Wir haben zu Covid19 auch noch eine ernste politische Krise. Bolsonaro, unser Präsident, und der Justizminister haben sich ein Gefecht geliefert. Der Präsident hat dabei eine sehr schlechte Figur gemacht. Inzwischen läuft ein Amtsenthebungsverfahren. Auf die Frage von Journalisten, was er zu den vielen Toten von Corona sagen würde, antwortete der Präsident ganz klassisch in seinem Stil: “Sehe ich wie ein Totengräber aus?”

Wir haben in Paraná mehr Tote durch Denguefieber als durch Covid19. Es gibt bisher keine klaren Aussagen zur Wiedereröffnung der Schulen. Eine ganze Reihe von Eltern haben ihre Kinder bei uns abgemeldet. Dabei wird uns bange … Bisher hat die Schule noch kein Perosnal entlassen. Auch hier warten wir auf eine Entscheidung unseres Bundesstaates Paraná. Bis August – so das, was man hört, – soll es wieder losgehen. Im Hotel und der Pousada haben wir doch 20 Personen entlassen müssen.

Die öffentlichen Einschränkungen sind mäßig. Alle Leute bewegen sich ziemlich frei. Alle Geschäfte sind geöffnet. Über Reisen im Inland und damit Tourismus gibt es bisher keine Entscheidung.

Wir alten Diakonissen leben auf unserem Korridor. Zwei-, dreimal am Tag drehen wir unsere Runden an der frischen Luft. Glücklicherweise ist das Gelände groß genug.

 

 

 

Corona in Brasilien, 9. April 2020

Liebe Feunde und Förderer,

hier schreibt Schw. Gabriele Kumm in unregelmäßigen Abständen zur aktuellen Lage in Brasilien zu Zeiten von Corona.

Donnerstag, 9. April: Gestern hatten wir Vorstandssitzung. Unsere Präsidentin Denise Caron hat die Maßnahmen zur Bewältigung der Krise gut vorüberlegt. Wir halten daran fest, unseren rund 200 Angestellten nicht zu kündigen.

Die Regierung in Brasilia lässt viel Spieleraum für die Art und Weise, wie mit dem Virus umzugehen ist. Die Governeure und Bürgermeister haben Macht, Massnahmen selbständig zu entscheiden und durchzuführen. In Rio ist der Virus in der grössten Favela angekommen. Es gibt kaum Tests und Schutzmaterial. Man setzt alles auf das eine Medikament, das auch für andere Krankheiten gegeben wird.

 

 

 

April 2020, Schwester Gabriele Kumm

Liebe Freunde und Förderer,

welche Bedeutung gute Freunde haben, zeigt sich in Krisenzeiten besonders deutlich. Dieser Gruß ist ein sehr bewusster Dank an Sie.

In keinem Terminkalender waren die Folgen des Covid 19 eingetragen. Nun zeigen sich auch die tatsächlichen Fähigkeiten der Regierungen, mit der Krise umzugehen. Und wir als Gesellschaft zeigen auch, wer wir sind. Leider erleben wir hier in Brasilien in beiden Bereichen ein Verhalten, das Gefährdungen im Gesundheitswesen und in der Versorgung der Menschen auslöst. So ist es völlig unklar, nach welchen Orientierungen von Seiten der Regierung wir als Arbeitgeber im rechtlich gesicherten Rahmen handeln können. Was die Versorgung angeht, gibt es Toilettenpapier in rauen Mengen und Hamsterkäufe finden nicht statt. Die normale Bevölkerung hat dafür gar kein Geld.

Für die Menschen außerhalb des Arbeitsmarktes soll es eine Monatshilfe von 105 Euro geben. Frauen, die ihre Familie allein versorgen müssen, bekommen das Doppelte. Aber bis jetzt ist noch nichts bei den Leuten eingetroffen. So stehen bei vielen die sozialen Bedingungen und der Kampf ums reine Überleben im Vordergrund.

Einige Kommunen haben ihre Geschäfte wieder offen, andere sind streng mit den Auflagen der Kontaktsperre. Wir versuchen alles zu tun, um unsere noch etwa 200 Mitarbeitenden halten zu können. Im Gästebereich haben wir allerdings 15 von ihnen kündigen müssen. Wer jetzt seine Arbeit verliert, hat auf lange Zeit hinaus keine Chance auf eine neue Anstellung – und das alles ohne Arbeitslosengeld.
Wir brauchen einen weiten und offenen Horizont, eine Rückkehr zu dem Vorigen gibt es nicht mehr. D.h. wir müssen uns neu erfinden in der Art, wie wir unseren Auftrag weiterführen und wirtschaftlich verantworten können.

Das sind gewiss gemeinsame Herausforderungen – hier wie drüben.                                                                                                                 Nach seiner Auferstehung fand Jesus seine Jünger hinter verriegelten Türen. Angst lähmte sie. Angst kann auch uns lähmen, doch der Friede Gottes in Christus belebt und so belebe er auch uns zu mutigem Handeln.

Damit grüßen wir herzlich aus Curitiba

Gabriele Kumm 

 

Corona in Brasilien, 31. März 2020

Liebe Feunde und Förderer,

hier schreibt Schw. Gabriele Kumm in unregelmäßigen Abständen zur aktuellen Lage in Brasilien zu Zeiten von Corona.

Sonntag, 29. März: Bei uns Schwestern gab es Sonntagsbraten – meine Aufgabe. Margot war für Salat und Nachtisch zuständig. Wunderbar.

Nun zur Situation: Die Regierung hat Hilfsmaßnahmen für Menschen ohne Arbeitsvertrag angekündigt. Pro Monat sollen sie 600 Reais      bekommen, alleinerziehende Frauen 1200 Reais, also beinah 100 bzw. 200 Euro. Es gibt eine heiße Diskussion wegen der Folgen für die Wirtschaft. Der südlich von Parana gelegene Staat Santa Catarina mit Hauptstadt Florianopolis soll ab dem 1. April teilweise wieder funktionieren. Der Gesundheitsminister macht Klimmzüge, um nicht frontal mit dem Präsidenten zu kollidieren. Unsere Situation (Parana) ist noch nicht definiert. Unser Gouverneur bleibt fest. Übrigens nennt er sich Ratinho junior, kleines junges Mäuschen. Da muss es uns ja gut gehen. Man fürchtet die Infektionen in den Favelas. Soweit wir wissen, gibt es genug Lebensmittel. Die normale Bevölkerung hat kein Geld für Hamsterkäufe!

Dienstag, 31. März: Im Land gibt es etwa 4.600 Erkrankte und 160 Tote. Bolsonaro, unser Präsident, erhält heftigen Widerspruch von seinen Ministern und den Obersten des Gerichtshofes. Die Orientierung bleibt, wenn auch viel Druck da ist.                                                Es fehlt an Material wie Desinfektionsmittel und Schutzkleidung und natürlich an Krankenhausbetten.

 

Corona in Brasilien, 25. März 2020

Liebe Feunde und Förderer,

Aktuelles aus Brasilien zu Zeiten von Corona:

Dienstag, 24. März: Eine gute Freundin der Irmandade muss ihren Rückflug nach Deutschland auf den 24.3. umbuchen. Lufthansa bestätigt den Flug von Curitiba nach Sao Paulo. Als wir auf einem völlig leeren Flughafen ankommen, sieht es nicht ermutigend aus. “Nein, keine Möglichkeit. Mag ja sein, dass die Lufthansa fliegt, aber unsere Flüge sind gestrichen.” Es gibt noch andere  verlorene Fluggäste, die wie wir sichere Auskünfte brauchen. Es gibt sie nicht. Unser Gast wird auf den 26.3. umgebucht. Ein Versuch, mehr nicht.

Unterwegs erfahren wir von den beginnenden Überfällen im Stadtzentrum. Uns ist auch bange. Wie können wir uns schützen?

Die Regierung erlässt ein Dekret, u.a.  mit der Möglichkeit, Gehälter nicht zu zahlen. Ein Sturm der Entrüstung führt zur Änderung des Vorhabens. Die Wahrheit ist viel bitterer als geahnt: Schon jetzt gibt es viele Arbeitslose und seit Jahren kämpfen Unternehmen, um zu überleben. Unsere 200 Gästebetten sind leer. Keine Einnahmen! So einen Stillhand hat die Welt noch nicht gesehen. Es ist erlaubt, Ferien zu geben.

Das Hotel liegt etwas außerhalb von Curitiba. Wir haben Sorge wegen möglicher Überfälle.

Heute beim Abendessen ging es um die Tatsache, dass der Tod in den Favelas und Stadtteilen immer dazugehört. Ist es keine Krankheit, dann sind es Überschwemmungen, Brände oder Gewalt.

Mittwoch, 25. März: Unser Präsident hat im TV national erklärt, dass die Hysterie mit dem Virus von den Medien gemacht ist. Folglich müssen nur Alte geschützt werden … Er fordert Schluss mit den Einschränkungen und zurück zur Normalität. Sein Gesundheitsminister wollte dazu nichts sagen …

Corona in Brasilien, 23. März 2020

Liebe Feunde und Förderer,

seit zwei Wochen kämpfen wir mit den Auswirkungen der Corona-Krise und es ist noch kein Ende abzusehen. Nicht anders geht es unseren Freunden in Brasilien. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zu unserer Situation in Deutschland. Darum hier einige Auszüge aus dem Mailverkehr mit Schwester Gabriele Kumm:

Dienstag, den 17. März: Hier ist die Lage sehr bedenklich. 1.000 Kinder, die wir begleiten und versorgen, leere Hotelbetten und keinen Herrn Altmeier, der Garantien gibt. Wir fürchten, dass sowohl der Gästebetrieb als auch das Schuldorf finanziell einbrechen. Die Eltern unserer Kinder, die Schulgeld bezahlen, haben keinerlei Sicherheiten hinsichtlich ihres Jobs. Verlieren sie ihn, bleiben auch die Zahlungen für die Schule aus.

Die Kinder der neuen Schule und der Creche machen uns Sorgen wegen ihrer Ernährung. Zuhause gibt es nichts. Schon jetzt essen die Kinder am Montag wie ausgehungert. Mal sehen, wie wir das überstehen und gleichzeitig das Nötigste tun. Wir dürfen niemanden entlassen. Die Perosnalkosten laufen also weiter.

Donnerstag, 19. März: Hier läuft alles auf ein Chaos zu und die Kassen sind leer. Alle Schulen und Kitas haben inzwischen geschlossen. Unsere Kinder, die besonders bedürftig sind, werden zu Hause besucht. Damit soll die Grundversorgung garantiert werden. Es ist auch immer ein Team in der Creche.

Freitag, 20. März: Ab heute kein Shopping, kein Schönheitssalon – für Brasilianer eine Katastrophe.                                                        Hier wird es düster, sowohl im Blick auf die Versorgung der Erkrankten als auch im Blick auf die Existenz der Familien und Unternehmen. Neun von zehn Städte in Brasilien haben keine Betten im Intensivbereich.

Zur allgemeinen Einschätzung der Situation in Brasilien empfehle ich einen Artikel aus “Der Tagesspiegel” vom 19. März d.J., den ich beifüge.

Weitere Informationen werden folgen.

Christine Muhr/23. März 2020

Bislang galt Covid

 

 

 

 

März 2020, Schwester Ester Persike

Liebe Feunde und Förderer,

Seit 2004 gehöre ich als Diakonisse zur Irmandade Betânia. Damals besuchte ich das Hotel und war begeistert – die schöne Natur, die Freizeitangebote und gutes Essen. Da meine Aufgaben jedoch in anderen Bereichen lagen, kam ich nicht oft ins Hotel.

Mit meiner Beteiligung am Einführungskurs für Hotelfach änderte sich das. Ich habe Sozialarbeit studiert und da die meisten Teilnehmer der Kurse arbeitslos waren und sehr am Rande der Gesellschaft lebten, sah ich darin eine Aufgabe für mich. Darum war ich bereit, die Leitung der Kurse zu übernehmen. An der Seite von Schwester Gabriele tauchte ich ein in die Welt der Hotellerie. An allen Fächern nahm ich teil und mit der Zeit gefiel mir dieser Bereich, der auch wichtig für die Irmandade ist.

Im Jahr 2019 begann ich, die Geschäftsführerin unseres Hotels ‚Estância Betânia‘ zu unterstützen. Zum Jahresende kündigte sie und so übernahm ich ihre Aufgabe. Seitdem habe ich sehr bedeutsame Erfahrungen gemacht. Es ist keine leichte Aufgabe, denn ein Hotel ist eine komplexe Angelegenheit. Die Entscheidung, wie oder wo zu sparen und wo Geld auszugeben ist, will gelernt sein. Ich fand eine Mannschaft vor, die interessiert ist und mir Freude macht. Ich arbeite gern mit Menschen zusammen und manche prägen unser Leben. Gemeinsam hinterlassen wir Spuren im Leben unserer Gäste. Im Hotel haben wir 31 Angestellte, die mir zuarbeiten und die ich führen muss. So gilt es täglich, in Interessenkonflikten zu vermitteln.

Mit Gottes Hilfe haben wir gute Ergebnisse erreicht. Andere Bereiche der Irmandade unterstützen mich in meiner Aufgabe. Die größte Freude ist ohne Frage die Möglichkeit, den Kindern der neuen Schule auf unserem Gelände helfen zu können. Jeden Tag, wenn ich ins Hotel komme, stärkt mich das Wissen, den Kindern eine hoffnungsvolle Zukunft geben zu können. Wir als Belegschaft des Hotels sehen dies als unsere Mission an, die uns auch miteinander verbindet. Meine Aufgabe ist es, ein fachlich kompetentes und auf die Ziele des Hotels ausgerichtetes engagiertes Team zu bilden und finanziell gute Ergebnisse zu erzielen. Für uns entscheidet sich alles an der Servicequalität. Dann können wir gleichzeitig den Kindern in der neuen Schule am besten dienen.

Damit grüße ich herzlich aus dem noch sommerlichen Brasilien.

Ihre Ester Persike 

Februar 2020, Schwester Gabriele Kumm

Liebe Freunde und Förderer, 

Logo Irmandade Evangélica Betânia

die Irmandade Evangelicá Betânia wird 40 Jahre alt, d.h. seit 1980 gibt es die Irmandade als eingetragene Körperschaft nach brasilianischem Recht. Vierzig Jahre Geschichte in Brasilien – welch ein Vorrecht.

Ab 1934 bis 1980 galt der Dienst der Diakonissen in erster Linie den deutschen Einwanderern. Dazu kam der Einsatz in zwei Krankenhäusern, für lange Jahre in Joinville und ebs. in Londrina. Außerdem gab es die Klinik für gesunde Ernährung in Lapa bei Curitiba. Herbergen war uns immer wichtig. In Curitiba boten wir einen Kurs für junge Mädchen aus dem Inneren des Landes an, um ihnen einen Start ins Leben und einen Anschluss an das moderne Brasilien zu ermöglichen. Haustöchter nannte man sie.

Brasilien veränderte sich und die Irmandade spiegelt das wider. Die Krankenhäuser haben nun selbst die Verwaltung übernommen, andere Aufgabenbereiche wurden abgegeben. Der große Bereich der Bildung mit dem Schwerpunkt frühkindliche Förderung wurde immer mehr zum Hauptanliegen. Inzwischen haben wir drei Einrichtungen mit rund 1.000 Kindern.

Diakonie kann viele Gesichter haben, aber sie ist immer auch Antwort auf die Situation der Menschen ihrer Zeit. Sie nimmt wahr, schaut hin und ist bei allem Wechsel immer ein Zeichen der Anwesenheit Gottes, der sich den Menschen zuwendet.

Wie sehen wir uns nach diesen vierzig Jahren? Vor uns und mit uns hat es viele Menschen gegeben, denen wir viel zu danken haben. Dazu gehört auch der Freundeskreis, zu dem Sie gehören.

Immer bleibt auch das Wissen, dass wir keine Garantie dafür haben, die nächsten Jahrzehnte gut zu bestehen. So steht beides nebeneinander: Freude über alles Gelingen und viel Wachsamkeit, gepaart mit Bescheidenheit für die nötigen Veränderungen in den rasanten Entwicklungen unserer Zeit.

Eines bleibt, Menschen brauchen Menschen, die verlässlich sind und gemeinsam benötigen wir die helfende und dauerhafte Beziehung zu Gott, der uns in Jesus Christus begegnet.

Wir laden Sie herzlich ein, am Sonntag, den 24. Mai 2020, mit uns zu feiern und sich mit uns zu freuen. Auf der Rückseite finden Sie weitere Informationen.

So verbleibe ich mit herzlichen Grüßen und in Vorfreude auf eine Begegnung am Jubiläumstag

Ihre Gabriele Kumm     

 

 

Januar 2020, Schwester Gabriele Kumm

Liebe Freunde und Förderer der Irmandade,

In Brasilien gibt es folgendes Sprichwort: „Wenn es abwärts geht, helfen alle Heiligen!” Die Moral soll dann wohl heißen: „Wenn es aufwärts gehen soll, musst du dich schon selber anstrengen.“ Seit Oktober 2019 bin ich zur Behandlung in Deutschland und ich kann mich nicht beklagen. Im Gegenteil, die Orthopädie in Schwäbisch Hall hat meine Erwartungen übertroffen. Ich habe allgemein viel über negative Erfahrungen gehört. Man könnte meinen, es geht auf wichtigen Gebieten bergab. In den ersten Januartagen sind die Nachrichten z.T. dramatisch. Das Losungswort für 2020 scheint passend: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ Daneben höre ich ermutigende Nachrichten aus der Irmandade in Curitiba. Reaktionen von Freunden hier in Deutschland vermitteln uns Energie und Zuversicht. Aufwärts und vorwärts Weitergehen trotz bedrohlicher Tendenzen oder fehlender Kontrolle über Entwicklungen, ist Ausdruck eines Glaubens, der auch diese Bitte kennt: „Hilf meinem Unglauben!“ Fast 1000 Kinder sind uns in diesem Jahr anvertraut, davon etwa die Hälfte mit Freiplätzen. In drei Einrichtungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten arbeiten wir, immer mit dem Ziel, die Kinder stark zu machen für ein selbstbestimmtes Leben. Dazu gehört die Gewinnung der Familien dieser Kinder durch diverse Angebote: Hausbesuche, Feste in der jeweiligen Einrichtung, Vortrage, Schulungsangebote. Wir möchten eine Haltung fördern, die sich vielleicht mit folgenden Worten so ausdrücken lässt: “Lust auf Zukunft statt Frust auf Zukunft!“ 

Zukunft: Die Irmandade Evangelicá Betânia feiert in diesem Jahr ihr 40-jähriges Bestehen. Sie können daran teilnehmen – hier in Deutschland. Wir planen ein Treffen für unsere Freunde am 24. Mai 2020. Walter Hery wird im Gottesdienst predigen und die Schwestern Gabriele Kumm, Northilde Steininger, Hanni Schein und andere Gäste aus Brasilien werden dabei sein. Weiteres folgt.

Herzlich

Gabriele Kumm

 

 

Oktober 2019, Schwester Christine Muhr

Liebe Freunde,

am 3. Oktober d.J. kam ich aus Brasilien zurück. Mir war es möglich, vierzehn Tage die Geschwister der Irmandade Betânia und die pädagogischen Einrichtungen zu besuchen, zumal ich die neue Schule ja noch nicht gesehen hatte. Zwei Dinge haben mich sehr beeindruckt.

Da ist natürlich die neue Schule, Escola Estância Betânia, die von den ersten 22 Kinder besucht wird. Bisher war es so, dass mit einem kleinen Gebäude begonnen wurde, das dann peu à peu vergrößert, angebaut oder umgebaut wurde. Diesmal stehen Dreiviertel des Gebäudes und die Kinderzahl wird in den nächsten Jahren bis auf 400 anwachsen. Noch ist alles groß, neu und unbenutzt, da die zweieinhalb- bis vierjährigen Kinder gar nicht allen Raum nutzen können. Schon zum neuen Schuljahr soll aufgestockt und eine zweite Gruppe aufgenommen werden.

Mit großzügiger Hilfe der deutschen Spender, allen voran den Diakonissen-Mutterhäusern im DGD, ist ein wirklich schönes und zweckmäßiges Haus in wunderbar grüner Umgebung entstanden, ein toller Ort für Kinder zum Lernen und Leben. Ich konnte durch den Stadtteil Monte Castelo fahren, aus dem die Kinder der neuen Schule kommen, allerdings mit einer Einschränkung: “Aber nur auf der Hauptstraße, nicht in die Seitenstraßen. Da können wir nur mit Begleitung durch.”

In der Siedlung selbst wird bereits parallel eine Teenagerarbeit aufgebaut und Hausbesuche gemacht. Wir hoffen und beten um einen ähnlich guten Eingang in die Siedlung wie es in der Vila Zumbi gelungen ist, an der die Kindertagesstätte Creche Betânia liegt.

Damit komme ich gleich zu meinem zweiten starken Eindruck: Aktion Betânia am Samstagnachmittag in der Kindertagesstätte. Schon vor 14.00 Uhr drängen sich Kinder und überwiegend Mütter am Eingang der Creche, auch die rund 20 ehrenamtlichen Mitarbeiter kommen an. Dann öffnen sich die Türen und schon bald ist ein Gruppenraum mit Kindern und Müttern voll besetzt. Ich bekomme kaum Luft, da es nicht nur heiß ist, sondern auch kräftig nach Mensch riecht. Junge Mädchen, noch keine zwanzig Jahre alt, sind mit ihren Kleinkindern da, oft sogar mit zwei oder drei noch nicht schulpflichtigen Kindern. Ein Blick in ihre Gesichter ist ernüchternd: abgestumpft, hoffnungslos, gleichgültig, depressiv. Auch acht- bis elfjährige Jungen und Mädchen sind unter den Besuchern zu finden. Kann die Creche ein erster Anlaufpunkt sein, um aus dem Kreislauf von Armut, mangelnder Bildung und Gewalt herauszukommen? Das zumindest ist der Wunsch der Mitarbeiter. Heute Nachmittag werden Fußball, Ballett und Selbstverteidigung angeboten. Für Erwachsenen ein Schnupperkurs, der einen ersten Eindruck von der zehnwöchigen Ausbildung im Hotelfach geben will. Interessierte können noch in diesem Jahr in den Kurs einsteigen. Wie elementar hier geholfen wird, ist eindrücklich, der Einsatz der Ehrenamtlichen wirklich bewundernswert. Dennoch wird es entscheidend bleiben, die Eigeninitiative der Einzelnen zu stärken. 

Ihnen danken wir für Ihre oft schon jahrelange Begleitung. Vielen Kindern und Familien wurde dadurch entscheidend geholfen.

Ihre Christine Muhr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

August 2019, Schwester Gabriele Kumm

 

 

Liebe Freunde,

als Irmandade sind wir u.a. auch Arbeitgeber für 215 Mitarbeiter, davon die meisten im Schulbereich. Diese verfügen über eine gute Ausbildung, meistens ein Studium in Pädagogik, Sport, Sprachen oder Verwaltung. Der Schulbetrieb ist weitaus geordneter als der Gästebetrieb. Unser Schuljahr ist das Kalenderjahr. Man weiß also schon Anfang des Jahres, wie sich die Schülerzahlen entwickeln und was das finanziell bedeutet.  

Anders sieht es im Gästebereich aus. Hier geht es jeden Monat darum, die nötige Zahl an Gästen zu gewinnen. Das Personal kommt zum größten Teil nicht von der Uni, sondern aus der Favela. Seit vielen Jahren bieten wir Kurse zur Einführung ins Hotelfach an. Damit haben viele arbeitslose Erwachsene den Einstieg in die Arbeitswelt geschafft. Im Monat Juli hatten wir eine sehr gute Belegung.

Nun geht es darum, mit der Mannschaft in Restaurant und Küche der Estância eine gute Servicequalität zu sichern und dabei sparsam zu wirtschaften. Unser Ziel ist es, die neue Schule auf dem Gelände mit zu finanzieren. 

Bis Ende des 19. Jahrhunderts haben Sklaven den Haushalt der reichen Großgrundbesitzer in Brasilien versorgt. Danach kamen die Hausmädchen, denen ging es auch nicht viel besser. Heute sind sie etwas geschützter. Zurzeit rechnet man mit 7 Millionen Haushaltshilfen. Da wundert es nicht, dass die Arbeit im Hotelgewerbe nicht hoch bewertet wird.

Wir fördern sehr bewusst diesen Bereich, weil er Menschen Zugang zur Arbeit gibt, die keine Schulbildung nachholen können. Diakonie als Sprungbett zur beruflichen Qualifikation und damit zu einem wenn auch kleinen regelmäßigen Verdienst hat für manche Kinder die Familie erhalten.

Die allgemeine Situation im Land ist angespannt und nicht zu kalkulieren. Noch löst die neue Regierung ihre Versprechen nicht ein. Wir arbeiten mit viel positiver Erwartung intensiv weiter und tun was wir können.

Unser Dank gilt allen großzügigen Freunden. Heute ist Carol, verantwortlich für die Buchung der Spenden, zum Besuch bei unserm Freundeskreis in Paraguay. Bis Asunción geht es mit dem Flugzeug, dann folgen noch 500 km mit dem Wagen zu den Mennoniten-Kolonien im Chaco, wo unsere Freunde leben. Mal eben die Besucher vom Flughafen abholen und wieder hinbringen sind hier 1000 km, die sie aber selbstverständlich zurücklegen.

Alle Anstrengungen und Gebete richten sich auf den Start der neuen Schule. Es liegt nur an der Abteilung Bildung des Landes Paraná.

Mit meinem Dank verbinden sich alle Mitglieder der Irmandade

Ihre Gabriele Kumm

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

April 2019, Schwester Gabriele Kumm

 

 

 

 

Am 31. März d.J. konnte bei schönstem Herbstwetter die Einweihung der neuen Schule der Irmandade Betânia gefeiert werden. Das Mehrzweckgebäude und der Kindergarten sind fertig. Nur die Grundschule bleibt für eine zweite Bauphase.
Gut 300 Personen staunten über das Ergebnis einer relativ kurzen Bauzeit. Ein Freund, Landschaftsgärtner mit einem großen Betrieb 800 km weiter im Süden Brasiliens, hatte die Anlagen für den Vorplatz mit starkem persönlichem Einsatz überraschend schön gestaltet. Oberinnen und Direktoren der Diakonissenhäuser des DGD-Netzwerkes nahmen im Rahmen ihrer Internationalen Konferenz, diesmal in Curitiba, an der Einweihung teil. Da aus diesem Kreis viel Unterstützung für den Bau kam, war es sehr sinnvoll, nun das Ergebnis vor Ort zu sehen.

Vertreter der Stadt Colombo, Bürgermeisterin und Abgeordnete, brachten die gelungene Partnerschaft mit der Irmandade zum Ausdruck. Colombo wird auch als “Schlafzimmer” der Stadt Curitiba bezeichnet, wo man arbeiten, aber nicht wohnen kann. Der “Gürtel” der Vorstädte Curitibas beherbergt 1,8 Millionen Menschen. Ein Kirchenchor und kurze Grußworte sorgten für ein gelungenes Programm. Beondere Aufmerksamkeit galt Joyce, einer ehemaligen Schülerin der Kindertagesstätte Betânia, jetzt Studentin der staatlichen Universität. Sie betonte, welche Bedeutung die Kindertagesstätte für ihre Entwicklung gehabt hatte. Ein Tag der staunenden Dankbarkeit.

Was bleibt als ein Hinweis für alle, die es hören konnten? Zeichen der Hoffnung setzen, ist auch dann noch möglich, wenn die Mittel dafür nicht vorher zur Verfügung stehen.

Wenn alles fertig ist, können 400 Kinder einer armen Siedlung eine gute Bildung als Start in ihr Leben mitnehmen. Für jeden weiteren Schulpaten ist die Irmandade dankbar.

 

 

 

 

 

Aktuelles

Nahrungsmittel verteilt

Am 9. Mai d.J. konnten zum ersten Mal Lebensmittelpakete an bedürftige Familien in der Vila Zumbi abgegeben werden. Möglich wurde dies durch eine großzügige Spende der Presbyterianischen Kirche.

Jubiläumstag 24. Mai 2020

Die für den 24. Mai d.J. vorgesehene Feier anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Irmandade Betânia muss leider abgesagt werden.

Kinder besuchen Hotel

Die Kinder der Schule Estância Betânia haben “ihr” Hotel besucht, auf dessen Grundstück die Schule steht und das ihnen täglich das Essen liefert.

Jubiläum 24. Mai 2020

Hier finden Sie die Einladung zum Jubiläumstag am 24. Mai 2020 in Marburg. Wir freuen uns auf gute Begegnungen.

Buchpräsentation

Schw. Anne Steiningers Buch “Salve o Planeta” wurde im September der Öffentlichkeit vorgestellt.

Escola Estanciâ Betânia

Seit dem 9. Sept. 2019 besuchen die ersten 22 Kinder den Kindergarten der Escola Estância Betânia. Hier ein kleiner Fotobericht.

Musik und Rhythmus

Das große Thema des ersten Schulhalbjahres: Musik und Rhythmus in Brasilien. Die Aufführung zum Halbjahrsende fand viel Anklang bei den Eltern.

Gottesdienst zu Ostern

Es ist schon eine Tradition, der Gottesdienst am Gründonnerstag in der Creche Betânia. Auch in diesem Jahr wurde er mit Kindern und deren Angehörigen gefeiert. Rund 500 Besucher waren der Einladung gefolgt.

Kontakt

Freundeskreis Irmandade Betânia
Diakonisse Christine Muhr
Hebronberg 1 | 35041 Marburg

06421/8050
brasil@hebron.dgd.org

Spenden

Sonderkonto Brasil im DGD e.V.
IBAN: DE22 5335 0000 0030 0003 15
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